Ringen mit Schuld und Scham

Erfahrungen aus der Gedenkstättenarbeit

Ein alter Herr streicht um das Haus, in dem sich die Ausstellung über das Konzentrationslager Ladelund befindet, studiert ausführlich den Aushang mit den Öffnungszeiten an der offenstehenden Eingangstür, tritt aber nicht ein. Seine Körpersprache verrät Zwiespalt, Unschlüssigkeit.
Ich gehe auf ihn zu, bitte ihn herein, stelle mich vor. Mein Gegenüber stellt sich nicht vor. Stattdessen sprudelt etwas aus ihm heraus, was wie eine Rechtfertigung klingt: „Ich wollte schon länger `mal hier reingucken, … ich habe jetzt nicht viel Zeit, … aber ich dachte, ich muß doch `mal herkommen … denn wissen Sie, ich habe das ja damals alles miterlebt,… und ich war auch noch im Krieg, als 16-Jähriger …
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