Erinnerungskultur

Gedenkstätten- und Erinnerungskultur in Schleswig-Holstein

Vom 4.-5. September findet im Kieler Rathaus ein Workshop zur Weiterentwicklung der Erinnerungskultur der Landeshauptstadt statt.
Die Stadt Kiel wurde durch die Zeitgeschichte des 20. Jahrhunderts geprägt. Insbesondere die Epoche des Nationalsozialismus und die Erinnerung an Täter und Opfer stehen im Fokus unserer Erinnerungskultur. Die Landeshauptstadt Kiel möchte zu einer offenen und selbstkritischen Sicht auf die eigene Geschichte beitragen. Dazu lädt sie alle Interessierten zu Workshops und Vorträgen ins Kieler Rathaus ein.
Workshop 4.-5. September 2015

Nach Jahrzehnten weitgehender Ignoranz und Vernachlässigung ist inzwischen Bewegung in die Gedenkstättenlandschaft im nördlichsten Bundesland gekommen. Lange ignorierte Entwicklungsprobleme wie die strukturelle Unterfinanzierung und der manifeste Rückstand zu Einrichtungen in anderen Bundesländern sind als dringender Handlungsbedarf erkannt. Überdies gelangt das im Wortsinne grundlegende ehrenamtliche Engagement angesichts der immer komplexer werdenden Aufgaben auf dem Gebiet der Erinnerungskultur auch in Schleswig-Holstein zunehmend an seine Grenzen.
Um den spezifischen Landesbedingungen und den allgemeinen Entwicklungen zu genügen, muss deshalb die schleswig-holsteinische Gedenkstättenlandschaft und -politik neu strukturiert werden.
Mehr dazu lesen Sie hier
Erinnerungskultur in SH – Gedenkstättenlandschaft in Bewegung
Harald Schmid: Gedenken, Aufklären, Lernen – Gedenkstätten zur Erinnerung an die Zeit des Nationalsozialismus in Schleswig-Holstein – ein Überblick
Wie soll das Erinnern funktionieren? (sh:z 19.03.2014)
Nationalsozialismus wie im Reagenzglas (sh:z 24.3.2014)
Debatte: Gedenkstätten haben sich gewandelt (sh:z 1.4.2014)
Zusammenarbeit von Kirche und Land im Bereich der Kultur- und Gedenkstättenarbeit (1.12.2014)

Für die Neukonzeption der wissenschaftlichen Ausstellung der KZ-Gedenkstätte Ladelund wurde Anfang 2014 von der Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM), Staatsministerin Prof. Monika Gründers eine Bundesförderung bewilligt, die es dem Land Schleswig-Holstein und der Kirche als Trägerin der Gedenkstätte ermöglicht, diese älteste und wichtigste Gedenkstätte im Land aufzuwerten und weiter zu entwickeln.
Die Bundesregierung unterstützt damit im Rahmen der „Gedenkstättenkonzeption des Bundes“ erstmals eine schleswig-holsteinische Gedenkstätte zur Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus: Mit 250.000 Euro wird sich der Bund an der geplanten Modernisierung der KZ-Gedenk- und Begegnungsstätte Ladelund beteiligen.
Pressemitteilung BSHG
Zu den Entscheidungen der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM), Staatsministerin Prof. Monika Grütters zur Gedenkstättenförderung in Schleswig-Holstein, erklärte die kulturpolitische Sprecherin der Landtagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen, Marlies Fritzen:
Heute ist ein insgesamt guter Tag für die Gedenkstättenarbeit im Land. Auch wenn das „Projekt Neulandhalle“ nicht unterstützt wird, erhält die zum großen Teil immer noch ehrenamtlich geleistete Gedenkstättenarbeit einen kräftigen Schub. Mit dem Engagement der Kulturministerin Spoorendonk, die einen runden Tisch zur verstärkten Kooperation und Vernetzung der Gedenkstätten ins Leben gerufen hat, hat die so eminent wichtige und wertvolle Arbeit der Gedenkstätten endlich den Stellenwert, der ihr seit Jahrzehnten gebührt hätte.
Ich freue mich insbesondere für die vielen engagierten Gedenkstätten, die zumeist ehrenamtlich, häufig als Verein organsiert über lange Jahre hinweg und oftmals gegen harte Widerstände kämpfen mussten, um überhaupt eine Erinnerungskultur in Schleswig-Holstein zu begründen.
Nur wer sich erinnern kann und erinnert wird, zu welch Grausamkeiten Menschen fähig sind, ist wachsam.