Gedenkstättenlandschaft Schleswig-Holstein

In Schleswig-Holstein begannen wie an vielen historischen Orten ehemaliger nationalsozialistischer Konzentrationslager und KZ- Außenkommandos in Deutschland nach Jahrzehnten der Verdrängung und des Verschweigens ab den 1980er Jahren lokale und zivilgesellschaftlich getragene Geschichts- und Erinnerungsinitiativen mit der Aufarbeitung der nationalsozialistischen Vergangenheit. Oftmals waren es zunächst Einzelpersonen, die vergessene oder verschwiegene lokale Geschichte aufarbeiteten und eigene Formen der Erinnerung und des Gedenkens erdachten. Dieses private Engagement führte, auch gegen Widerstände in der jeweiligen Region, in den 1980er Jahren (KZ-Gedenkstätte Husum-Schwesing in der Trägerschaft des Kreises Nordfriesland) und 1990er/ 2000er Jahren zur Errichtung weiterer Gedenkstätten in privater Trägerschaft (Kaltenkirchen und Ahrensbök).

Einen Einzel- und Sonderfall stellt Ladelund im Norden Nordfrieslands dar. Hier initiierten und pflegten die Gemeindepastoren Johannes Meyer (bis 1958) und Harald Richter (ab 1958) eigenständig eine Gedenk-und Erinnerungskultur auf der Basis von Begegnungen mit Angehörigen der Opfer und einer „Versöhnung über den Gräbern“. Hier entstand die erste KZ-Gedenkstätte Schleswig-Holsteins (1950). Ihre Arbeit wurde von der Evangelisch-Lutherischen Kirchengemeinde St. Petri Ladelund getragen und zu einem Schwerpunkt des kirchlichen Lebens vor Ort. Doch auch hier begann eine historisch- wissenschaftliche Erforschung und Dokumentation der Geschichte des Konzentrationslager-Außenkommandos Ladelund erst 1979 bzw. 1983.

Ein vorrangiges Ziel der Gedenkstätten Schleswig- Holsteins war stets, die Orte der NS-Verbrechen als Denk-und Mahnorte sowie als Lernorte zu etablieren. Die Kontaktaufnahme zu ehemaligen Häftlingen und der Aufbau eigener gedenkstättenpädagogischer Ansätze standen im Mittelpunkt, zur Information über den jeweiligen Ort wurden Dokumentationen und z. T. Ausstellungen erarbeitet.

Heute sind es zehn Orte in Schleswig-Holstein, an denen aktiv Gedenkstätten- und Erinnerungsarbeit geleistet wird:
die KZ-Gedenk- und Begegnungsstätte Ladelund, die KZ-Gedenkstätte Kaltenkirchen, die Gedenkstätte Ahrensbök, die KZ-Gedenkstätte Husum-Schwesing, der Gedenkort AEL Nordmark in Kiel-Russee, die Gedenkstätte Gudendorf, die Kultur- und Gedenkstätte Ehemalige Synagoge Friedrichstadt, das Jüdische Museum Rendsburg, das Museum Cap Arkona in Neustadt/ Holstein und der Flandernbunker in Kiel.

Zusätzlich gibt es im Lande mehrere Initiativen der Erinnerungskultur, weitere sind derzeit in Planung und Aufbau, so z. B. die Neulandhalle im Dieksanderkoog und die Lutherkirche bzw. die Gedenkorte für die Lübecker „Märtyrer“.

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