Eine Brücke gegen das Vergessen

KZ-GEDENKSTÄTTE LADELUND
Eine Brücke gegen das Vergessen

 

 

 

 

 

„Innerhalb weniger Jahre ist die Begegnungsstätte ein Vorzeigeprojekt für die schleswig-holsteinische Gedenkstättenarbeit geworden.“ Das betonte Kulturministerin Karin Prien (CDU) am Wochenende anlässlich der Eröffnung der neuen Dauerausstellung „Das KZ im Dorf“ in der KZ-Gedenkstätte Ladelund. Auf Deutsch, Dänisch, Englisch und Niederländisch informieren Schautafeln, Hör- und Filmstationen sowie Biografien über das Schicksal der Häftlinge. Im vollbesetzten Feuerwehrgerätehaus der Gemeinde appellierte die Ministerin vor geladenen Gästen, Zeitzeugen und anderen, die Schulen stärker in die Erinnerungsarbeit einzubeziehen.
Moderiert wurde die Feierlichkeit durch den bisherigen Propst im Kirchenkreis Nordfriesland Dr. Kay-Ulrich Bronk, während Hans-Joachim Stuck, Pastor der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde St.Petri in Ladelund, die Begrüßungsrede hielt. Stuck dankte insbesondere den angereisten holländischen Gästen – unter ihnen die Zeitzeugin Janny van Roon, deren Vater und Onkel Opfer der Verbrechen in Ladelund wurden. In einer bewegenden und sehr persönlichen Interview-Situation schilderte die 1939 geborene Niederländerin aus dem Ort Putten ihre Erinnerungen und den schwierigen Prozess, mit diesem Thema umzugehen. 651 Einwohner Puttens waren 1944 deportiert und viele in dem Ladelunder Lager durch die SS ermordet worden. 1994 hatte Janny van Roon erstmals die Grabstätte ihrer Vorfahren besucht.
Maria Bering, Mitarbeiterin der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, verdeutlichte in ihrer Ansprache, dass eine qualitativ hochwertige Erinnerungskultur ein maßgeblicher Bestandteil der Staatsräson sei und nachhaltig in Bildungskonzepte integriert werden müsse. „Wer in der Zukunft in Wahrheit leben will, muss sich mit der Vergangenheit befassen.“
„Als Bildungsministerin stehe ich dafür, dass auch die Schulen noch stärker in die Erinnerungs- und Geschichtsarbeit einbezogen werden“, schloss sich Kulturministerin Prien ihrer Vorrednerin an. Und mit Blick auf die Gedenk- und Begegnungsstätte Ladelund als vorbildliches Beispiel für Bildungsarbeit am außerschulischen Ort: „Hier entsteht eine Brücke gegen das Vergessen. Wir brauchen solche Erinnerungsorte, um dem Extremismus entgegenzutreten.“
Die Dauerausstellung ist auf Basis aktueller Geschichtswissenschaft und moderner Museumspädagogik überarbeitet worden. Prien dankte der Kirchengemeinde als Träger ebenso wie der hauptamtlichen Leitung, der Projektleitung und allen jenen, die mithalfen, die Ausstellung zu gestalten. „Sie haben großartige Arbeit geleistet.“ Ausdrücklich würdigte sie das große Engagement ihrer Amtsvorgängerin Anke Spoorendonk (SSW). „Sie haben dieses Projekt aus tiefer Überzeugung gefördert.“

Das Projekt in Ladelund wurde mit einer Investitionssumme von 500 000 Euro mit Bundes- und Landesmitteln umgesetzt. Auch die Bürgerstiftung Schleswig-Holstein und der Kirchenkreis Nordfriesland beteiligten sich. Besonders würdigte Karin Prien das ehrenamtliche Engagement: „Mein Dank gilt nicht zuletzt jenen, die den Ort zu einer Begegnungsstätte gemacht haben und perspektivisch mit Leben füllen werden.“ Sie wünsche sich, dass durch die Verbindung von klassischer Erinnerungsarbeit mit neuen Entwicklungen vor allem auch junge Menschen erreicht werden. Dazu gebe es viele gute Ansätze wie zum Beispiel die interaktiven Terminals, die Biografien und Chronik-Einträge erschließen, sowie eine „App“, die auf dem Weg zwischen Gedenkstätte und ehemaligem Lagergelände zusätzliche Informationen zugänglich macht.
Die Gedenkstättenarbeit werde auf Grundlage des Landes-Konzeptes fortgesetzt, kündigte Prien an. „Wir wollen die Gedenkstätten zur Erinnerung an die Verbrechen der Nationalsozialisten weiter unterstützen und diesen Weg mit viel Mut sowie Selbstbewusstsein weiter fortsetzen.“
Dr. Stephan Linck, Vize-Vorsitzender im Vorstand der Bürgerstiftung Schleswig-Holsteinische Gedenkstätten, und Bischof Gothart Magaard erinnerten mit mahnenden Worten an die Gräueltaten des Nazi-Regimes. Sie wiesen aber auch den Weg zu sensibler Erinnerungsarbeit und respektvollem Umgang mit einem dunklen Kapitel deutscher Geschichte.
Kuratorin Dr. Angelika Königseder und Raimo Alsen, Leiter der KZ-Gedenk- und Begegnungsstätte gaben eine Einführung in die Neugestaltung der Anlage. Musikalisch begleitet wurde die Eröffnungsfeier durch Streicher des Schleswig-Holsteinischen Sinfonieorchesters – mit bewegenden Werken des Prager Komponisten Hans Krása, der 1944 in Auschwitz-Birkenau ermordet wurde, und Stücken von Dmitri Schostakowitsch.

sh:z 20.11.2017
Quelle: https://www.shz.de/18366576 ©2017