Die Vergangenheit begreifbarer machen

Ein verändertes Konzept der KZ-Gedenkstätte soll sich an junge Menschen richten.
LADELUND

Eine Gruppe von Angehörigen der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft(Ortsverband Südtondern) suchte die KZ-Gedenk- und Begegnungsstätte Ladelund auf, um sich Gedanken darüber zu machen, wie sich die dort zu findenden Dokumentationen in den Schulunterricht einbinden lassen. Der kommissarisch tätige Gedenkstättenleiter, Dr. Stephan Linck (Kiel), und der Vorsitzende des Gedenkstättenausschusses, Joachim Ihloff (Leck), übernahmen die Aufgabe, die Pädagogen in die in Ladelund geleistete Gedenkstättenarbeit einzuführen. Linck machte zunächst auf einige Besonderheiten aufmerksam, die die Ladelunder Gedenkstätte von anderen unterscheidet. Dazu zählt, dass die Einrichtung, die ab 1990 durch den Bau eines Dokumentenhauses zu einer Gedenk- und Begegnungsstätte wurde, zum einen die älteste, zum andern die einzige kirchlich getragene Einrichtung ihrer Art darstellt. Ebenfalls einmalig ist, dass sich auf der Basis des christlichen Glaubens aus anfänglichem Hass eine echte Freundschaft zwischen Angehörigen der KZ-Opfer (aus der niederländischen Stadt Putten) und Ladelunder Einwohnern entwickelt hat.

Ihloff trug die Geschichte des Lagers vor, das als Außenstelle des KZ Neuengamme nur sechs Wochen existierte, in dieser kurzen Zeit aber über 300 Todesfälle zu verzeichnen hatte.

Ein Rundgang durch die ständige, von Dr. Jörn-Peter Leppien (Flensburg) erarbeitete Ausstellung zeigte, wie sich das Leben in Ladelund in den Jahren des Nationalsozialismus ereignete und wie es zur Freundschaft zwischen Putten und Ladelund kam.

Im Verlauf der Aussprache über das Gehörte und Gesehene stimmten die Gäste der Leitung der Gedenk- und Begegnungsstätte zu, die Ausstellung sei – wegen der Vielzahl zu lesender Texte – ein wenig „kopflastig“. Sie begrüßten deshalb eine angekündigte Änderung des Konzeptes, das Jugendliche über angewandte technische Medien emotional stärker ansprechen solle und das Schicksal der Gefangenen an Bei- spielen einzelner Personen leichter begreifbar machen könne. „Die Klassen und Gruppen einfach nur durch das Dokumentenhaus zu führen,“ so wurde man sich einig, „bringt zu wenig.“ Vielmehr komme es darauf an, die Mädchen und Jungen emotional anzusprechen.

Ulrich Jeß

sh:z/ NFT 6.11.2013