Das Thema Krieg ist aktueller denn je

Kranzniederlegungen zum Gedenken an die Opfer des Naziregimes / Ministerin Spoorendonk will Ausländerfeindlichkeit Grenzen setzen

1.9.2015

Ladelund /Schwesing
Das Ende eines der schrecklichsten Kriege der Menschheitsgeschichte mit 60 Millionen Toten, der am 1. September 1939 mit dem deutschen Überfall auf Polen begann, liegt 70 Jahre zurück. Doch das Thema Krieg, Flucht und Vertreibung ist aktueller denn je. Das wurde am gestrigen Antikriegstag deutlich. Unter dem Motto „Nie wieder Krieg und nie wieder Faschismus“ wurde auf Initiative des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) in Husum-Schwesing, Ladelund und Harrislee der Opfer des Naziregimes gedacht.
„Nie gab es seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges mehr Menschen, die vor Krieg und Bürgerkrieg, politischen, ethnischen und religiösen Konflikten, Armut und Ausbeutung aus ihrer Heimat fliehen müssen“, sagte Perke Heldt vom DGB Region Schleswig-Holstein Nordwest. „Sie nehmen dafür unendliche Strapazen auf sich. Und wenn den Männern, Frauen und Kindern, die bei uns ankommen, auch noch Rassismus und Fremdenfeindlichkeit begegnen, ist das kaum zu ertragen“, erklärte Heldt vor den rund 50 Teilnehmern, die sich auf dem Gelände des ehemaligen Konzentrationslagers in Husum-Schwesing zusammenfanden. Hier waren 1944 Gefangene drei Monate lang eingesperrt worden, um Panzergräben zu bauen.
Auch Kulturministerin Anke Spoorendonk war nach Schwesing gekommen, um an den Gräbern der Opfer einen Kranz niederzulegen. „Die Nazi-Zeit liegt inzwischen drei Generationen zurück. Das ‚Nie wieder!‘ bleibt aber auch für künftige Generationen Mahnung. Wir alle haben die Bilder von Heidenau, Nauen oder Salzhemmendorf vor Augen: Angriffe auf verängstigte Flüchtlinge, Unterkünfte in Flammen und gewalttätige Rechtsextremisten, teilweise unterstützt von keifenden Menschen, die sich Wutbürger nennen.“ Hier seien jegliche Grenzen von Recht, Anstand und Menschlichkeit überschritten worden. Deswegen müsse man alle Mittel des Strafrechts nutzen, um dumpfem Rassismus und Ausländerfeindlichkeit Grenzen zu setzen. „Null Toleranz muss es heißen!“, so die Ministerin.
Neben einer entschlossenen Reaktion von Justiz und Zivilgesellschaft brauche man aber auch noch mehr Information und Aufklärung vor Ort. „Dafür benötigen wir unsere Gedenkstätten. Im Interesse der Opfer müssen wir zeigen, wie verletzlich unsere humane Gesellschaft ist“, erläuterte Spoorendonk. Darum habe die Landesregierung im Frühjahr ihr Landesgedenkstätten-Konzept zur Förderung und Weiterentwicklung von Erinnerungsarbeit an historischen Lernorten verabschiedet. Für Husum-Schwesing zum Beispiel stünden im Landeshaushalt in diesem Jahr 180 000 Euro zur Verfügung. Damit und mit dem Engagement vor Ort könnten längst überfällige Baumaßnahmen nun umgesetzt werden.
Unterdessen machte Gewerkschafterin Susanne Uhl in Ladelund, wo sich ebenfalls eine KZ-Gedenkstätte befindet, deutlich, dass vor allem Politiker mit ihren Aussagen nicht länger Vorurteile schüren dürften. Sie müssten sich klar von rechtspopulistischer Demagogie distanzieren und sich zum Flüchtlingsrecht bekennen.
Raimo Alsen, Leiter der Ladelunder Gedenkstätte, fügte hinzu: „Die Europäische Union hat vieles erreicht, was den Frieden gefördert hat. Gleichzeitig finden wir in diesen Tagen vermehrt latenten oder offenen Rassismus, tätliche Angriffe auf Menschen, die nicht in ein bestimmtes Bild passen, Angriffe auf Religionen, die nicht als europäisch erachtet werden, und auf Heime, die geflüchteten Menschen Schutz bieten sollen. Ich bin froh, dass es engagierte Menschen gibt, die sich dagegen stellen. Die nicht vergessen, was hier in Ladelund geschehen ist und die sich entschieden gegen die Verbrechen der heutigen Zeit stellen.“
hn